Fukuoka (Japan), Donnerstag, 22. Januar 2026. Am späten Abend des 9. Februar 2021 fuhr ein damals 19-Jähriger in der Stadt Ōita mit einem ausländischen Sportwagen 194 km/h. Erlaubt waren 60 km/h. Er prallte auf ein Auto, das gerade abbog. Dessen 50-jähriger Fahrer starb. Das Bezirksgericht Ōita verurteilte ihn im November 2024 wegen gefährlichen Fahrens mit Todesfolge zu acht Jahren Haft. Das Obergericht Fukuoka hob dieses Urteil auf. Es verurteilte ihn nur wegen fahrlässigen Fahrens mit Todesfolge, zu vier Jahren und sechs Monaten.
Das Gericht nannte die Fahrt außerordentlich gefährlich. Für den schweren Tatbestand fehlte ihm aber der Beweis, dass der Wagen bei diesem Tempo nicht mehr zu beherrschen war. Die Testfahrten, mit denen die Anklage das belegen wollte, waren mit einem japanischen Auto gemacht worden, nicht mit dem Sportwagen des Angeklagten. Das Urteil hat in Japan große Empörung ausgelöst. Im Juni 2026 hat das Parlament das Gesetz geändert. Seit Juli 2026 gelten feste Grenzen: Bei einem Tempolimit bis 60 km/h ist gefährliches Fahren gegeben, wenn jemand 50 km/h oder mehr zu schnell fährt, auf schnelleren Straßen bei 60 km/h oder mehr.
Rechtlich eingeordnet: So wäre es in Deutschland
Bei uns käme es auf diese Beweisfrage nicht an. Wer mit nicht angepasster Geschwindigkeit, grob verkehrswidrig und rücksichtslos fährt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen, macht sich wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens strafbar, auch ganz allein ohne Gegner (§ 315d Abs. 1 Nr. 3 StGB). Das Bundesverfassungsgericht hält diese Vorschrift für verfassungsgemäß (Beschluss vom 09.02.2022 – 2 BvL 1/20). Dass das Auto nicht mehr zu beherrschen war, muss niemand beweisen. Stirbt ein Mensch, drohen ein bis zehn Jahre Freiheitsstrafe (§ 315d Abs. 5 StGB).
Ohne Beweisfragen ist aber auch das deutsche Recht nicht. Die Anklage muss die Absicht belegen, eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen. Und sie muss die Geschwindigkeit sauber ermitteln. Daran entscheiden sich viele Verfahren: Wurde gemessen oder nur geschätzt? Mit welchem Fahrzeug und welchen Werten hat der Sachverständige gerechnet? Stimmen Zeitstempel und Bildrate der Videos? Der Fall aus Ōita zeigt, wie viel davon abhängt, dass die Ermittler genau arbeiten.
Mehr dazu: Verkehrsstrafrecht
Quellen: Ōita Gōdō Shimbun vom 22.01.2026 (oita-press.co.jp), JAF Mate vom 30.06.2026 (jafmate.jp).